Frau und Musik
Berichte, Tagebuchaufzeichnungen und Briefe von Musikschaffenden Frauen des 19. und 20. Jahrhunderts Mit Texten von Nina d'Aubigny Louise adolpha le Beau Luise Büchner Adele Gerhard Claire Glümer Fanny Hensel-Mendelssohn S. Jessel Johanna Kinkel Elisabeth Kuyper Sabine Lepsius Mathilde Ludendorff Alma Mahler Werfel Anna Plehn Philippine Schick Fanny Schindelmeisser Clara Schumann Helene Simon Cosima Wagner Vorwort zur 3. Auflage Diese Textsammlung wurde 1980 zu Beginn der damals als Frauenforschung bezeichneten ersten Welle von Publikationen veröffentlicht. Inzwischen hat sich viel getan. Frauen haben sich im Musikbereich Berufe erkämpft, die sie früher nie oder nur selten ausübten: als Dirigentinnen, Regisseurinnen, Posaunistinnen und viele mehr. Der Zugang zu so gut wie allen Berufen ist gesetzlich geregelt. Auf dem Papier ist die Frau gleichberechtigt. Aber ist sie das auch in der Realität? Mitnichten. Die neu formierte Frauenbewegung ging vor 50 Jahren zuerst daran, die männliche Vorherrschaft zu kritisieren, und nahm sich vor, sie abzuschaffen. In den 1990er-Jahren kam die Geschlechterforschung auf. 1991 führte Susan McClarys Studie Feminine Endings: Music, Gender, & Sexuality zu großer Aufregung im feministischen Bereich, woraufhin es eine wahre Explosion an Gegenentwürfen und kritischen Stellungnahmen gab. Sie hatte Zündstoff präsentiert, der zugleich recht heftige Gegenstellungnahmen provozierte. Inzwischen ist die Aufregung abgeebbt, aber McClary hatte es gewagt, die Musik selbst als sexistisch anzuprangern. Wenn sie auch in manchem zu weit gegangen sein mag, steht inzwischen fest, das geschlechtliche Deutungen in der musikalischen Semantik eingelagert sind und uns bis hin zur heutigen Filmmusik beeinflussen. Dann kam es zum Gender Turn, der Begriff Geschlechterforschung verschwand. Die Kräfteverhältnisse innerhalb dieser Gender Studies sind nun ganz anders als vor 50 Jahren. Dennoch sieht man an zahlreichen Beispielen, dass in der modernen Geschlechterordnung trotz vieler Erkenntnisse und Diskurse ein gewisses hierarchisches Mann-Frau-Verhältnis geblieben ist. Man bemüht sich, Wege zu finden, um die Gleichstellung der Frau auf allen Ebenen zu erreichen. Dazu gehört, dass geduldige Aufklärung, Arbeit, Mut, Kraft und Durchsetzungsvermögen immer wieder verlangt sind und geleistet werden müssen. Einen Zauberstab gibt es nicht, schon gar nicht den der Auflösung der Geschlechter in einer non-binären Welt, deren Vorstellung derzeit modisch herumgeistert und für Frauen fatale Folgen hätte. In einer solchen Situation ist es angebracht nachzuverfolgen, auf welche Zeugnisse um 1980, zu Beginn einer musikalischen Frauenforschung, zurückgegriffen wurde. Die Texte stammen aus der Periode 1800 bis 1930 und zeigen eine Fülle von Ansätzen, die die komponierenden, musizierenden und schriftstellernden Musikfrauen beschäftigten. Man erkennt daran, wie sehr die Frauen früherer Generationen versuchten, ihrer Zuordnung als schwaches, dem Mann untergeordnetes Weib zu entkommen. Wir haben beschlossen, die Einleitung von 1980, als das Buch erstmals erschien, zu belassen, da es ein historisches Zeugnis von dieser Zeit ablegt. Schon der erste Satz der Einleitung, wonach die Frau in unserer Musikkultur nur eine bescheidene Nebenrolle spielt, ist heute nicht mehr gültig. Es gilt also, die Wissensformationen der damaligen Zeit zu erkennen und aus historischer Sicht zu bewerten. Da es sich bei der Erstveröffentlichung um einen schmalen Band handeln sollte, mussten die Texte gekürzt werden, aber sie zeigen das Ringen um Status und Selbstverständnis der Künstlerinnen. Vaduz, im Juli 2024 Eva Rieger
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